Josua 20 und der Fahrdienstleiter

Nun ist das ganze verheißene Land aufgeteilt und es geht im Kapitel 20 interessant weiter.

Die mosaischen Gesetze sind manchmal ganz rigoros und einfach. 

 

Schwarz-Weiß.
 
Ja oder Nein. 

 

Auf Mord und Totschlag stand die Todestrafe. 

 

 Da gabs keine jahrelangen  Gerichtsprozesse, wo geprüft wurde, wie denn die Kindheit war, unter welchem Druck der „Mörder“ stand, ob er etwa an einer psychischen Krankheit litt usw. Mord ist Mord. Und tot ist tot.

 

Aber unser liebender Gott kannte auch damals schon Gnade, nämlich, wenn jemand einen anderen unabsichtlich getötet hat. 

 

Dafür befahl Gott Josua, Städte auszuwählen, die als Zufluchtsorte dienen sollten.

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 Sie sollen jedem Schutz bieten, der ohne Absicht einen Menschen getötet hat. An diesen Orten ist man vor der Blutrache sicher.  (Josua 20:3)

 

 

Als ich das gelesen habe, viel mir gleich das Zugunglück von Bad Aibling ein. Der Fahrdienstleiter hatte einen so furchtbaren Fehler gemacht, dass zwei Züge zusammenrasten mit 11 Toten und über 80 Verletzten. 

 

Wie furchtbar! Wie viele schlimme Einzelschicksale wohl daran hängen. Für wie viele Menschen hat sich von jetzt auf gleich das Leben verändert?

 

Aber es war „nur“ ein furchtbarer Fehler eines einzelnen Menschen. Wir sind alle unvollkommen, wir machen alle Fehler und bei diesem Fahrtdienstleiter hatte er so schlimme Folgen.

 

Hätte er zu Zeiten Moses gelebt, für  ihn wäre dann solch eine Zufluchtsort gewesen. Es wird jetzt sicher Menschen geben, die ihn hassen, dass er für einen Augenblick nicht aufgepasst hat. Auch ihn hat man an einen „sicheren“ Ort gebracht.

 

Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Ob er sich jemals vergeben kann, wieder ruhig schlafen? Wieder arbeiten? Und seine Familie? Wenn er Kinder hat, was sagen die Schulfreunde?

 

Für die Israeliten waren die Zufluchtsorte nicht für immer. 

 

Er soll an dem Zufluchtsort in Sicherheit sein, bis ein Gericht über ihn entschieden hat. Wird er freigesprochen, soll er bis zum Tod des Hohenpriesters in der Stadt bleiben. Erst dann darf der Totschläger in seine Heimatstadt zurückkehren, aus der er fliehen musste.“  (Josua 20:6)

 

Vielleicht sollten wir nicht nur für die vielen Verletzten und für die Angehörige der Toten beten, sondern auch für den Fahrtdienstleiter, dass er sich irgendwann seine Schuld sich vergeben kann.

 

Ich möchte nicht an seiner Stelle sein. Meine Fehler, die ich jeden Tag mache, haben keine so furchtbaren Auswirkungen. Bis jetzt. Man soll nie „nie“ sagen.

 

Bild 1: Von Andrzej Otrębski – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38339154
Bild 2: Von Aisano – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46974631
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