Hebräer 13 – und die Gastfreundschaft

Eine chassidische Geschichte:

Rabbi Schmuel von Bryson war einer der von seiner chassidischen Richtung am höchsten geachteten Männer. Und er war reich.

Eines Tages kam eine große Gruppe von Kaufleuten nach Brysow, und zwar kurz vor Sabbatanbruch, so dass sie sich entschlossen, den Festtag über in der Stadt zu bleiben. Sie kamen zu Rabbi Schmuel und erkundigten sich, ob sie in seinem Hause wohnen und das Sabbatmahl mit ihm teilen dürften. Rabbi Schmuel erwiderte, er könne ihnen beides anbieten, allerdings nur gegen Bezahlung, und dann nannte er sogar noch eine recht hohe Summe, die sie für ihren Aufenthalt zu bezahlen hätten.

Die Reisenden waren befremdet, dass ein Chassid für die Wohltat der Gastfreundschaft Bezahlung  verlangte, aber da sie keine Wahl hatten, nahmen sie sein Angebot an. Und so aßen und tranken Kaufleute über den Sabbat zur Genüge, ja verlangten sogar noch erlesene Weine und ausgewählte Speisen als Entgelt für den hohen Preis, den sie zu entrichten haben würden. Auch zögerten sie nicht, alle möglichen Sonderwünsche zu äußern.

Als der Sabbat vorüber war und die Kaufleute ihre Reise fortsetzen wollten, traten sie in Rabbi Schmuels Studierzimmer, um die vereinbarte Summe zu entrichten. Der aber brach in Lachen aus:“Glaubt ihr, ich habe den Verstand verloren? Wie könnte ich Geld annehmen als Privileg, Reisenden Gastfreundschaft zu gewähren?“ Die Kaufleute sahen sich verständnislos an: „Warum habt Ihr uns denn dann nur unter der Bedingung aufgenommen, dass wir Euch hoch bezahlen?“

Da erklärte Rabbi Schmuel: „Ich fürchte, es könnte euch peinlich sein, auch genug zu essen oder die besten Weine zu trinken, wenn ihr euch nur als meine Gäste fühlt. Und  – seid ehrlich, hatte ich nicht recht?“

(Quelle: Hoffen wir das Beste v.  Axel Kühner)

Ja, das war ja dann dumm gelaufen für die Kaufleute. Aber so sind die Menschen.

„… Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt!“ Hebräer 13:2

 

PS: Das war jetzt das Buch des Hebräerbriefes. Schluss. Ab morgen geht es mit dem Buch 2. Könige weiter.

 

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Hebräer 12 – und weg mit dem Ballast

Ich finde, zu meiner heutigen Bibellese passt dieses Lied von Silbermond richtig gut.

Ballast ablegen

Ein Mensch war unterwegs zum Land seiner Sehnsucht.Es war eine lange und beschwerliche Reise.Endlich kam er an einem breiten Fluss. Er wusste: Drüben, am anderen Ufer, liegt das Land der Herrlichkeit – und er konnte es kaum erwarten, hinüberzukommen.

Der Mensch fand einen Fährmann mit seinem Boot, der bereit war, ihn so schnell wie möglich überzusetzen. „Aber“, sagte er, „du musst dein Gepäck hier lassen. Ich nehme nur die Menschen mit, ohne allen Ballast.“ Der Reisende erschrak sehr, und es schien ihm unmöglich, all die Dinge, die er angesammelt hatte, die er liebte, die er für lebensnotwendig hielt, die er auf seiner weiten Reise mühsam bis hierher geschleppt hatte, einfach abzulegen und am Ufer des Flusses zurückzulassen.

„Alles?“ fragte der Mensch, hoffend, doch ein wenig von seiner Habe mitnehmen zu können. „Alles. Ich nehme nur dich mit, ohne dein Gepäck, oder du bleibst hier mit deinen Sachen. Entscheide dich“, antwortete ernst der Fährmann.

(Nach einer alten Sage)

 

„… lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens …“ Hebräer 12:1-2

 

Ich bin schon fast 60 Jahre. In der Bibel steht, dass wir 70-80 Jahre alt werden. Den größten Teil meines Lebens habe ich definitiv hinter mir.
Ist es da nicht endlich Zeit, all den Kram abzulegen, den ich bei den „Überqueren des Flusses“ eh nicht mitnehmen kann? Einfach los lassen, das was man nicht wirklich braucht?
Ich bin dabei.

 

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Hebräer 11 – Ein Leben, dass Gott gefällt

Heute  bin ich auf einen mir persönlich wichtigen Bibelvers gestoßen.

Dieser wäre:

„Weil Henoch glaubte, musste er nicht sterben. Gott nahm ihn zu sich; er war plötzlich nicht mehr da. Die Heilige Schrift bestätigt, dass Henoch so gelebt hat, wie es Gott gefiel.“ Hebräer 11:3

Nun meine ganz persönliche Geschichte dazu.

Mein Mann starb 2009 im Alter von 50 Jahren an den Folgen eines Magendurchbruchs. Von jetzt auf gleich war er nicht mehr da.

Ich hatte den allerbesten Ehemann der Welt, ein Familienmensch, ein wahrer Sonnenschein. Wir beide haben uns als Dream-Team empfunden. Es wird mir keiner glauben und ist doch wahr: wir hatten in all den 20 Jahren kein böses Wort für einander, keinen Streit, kein lautes Wort. Nix. Ja, es gab auch Meinungsverschiedenheiten, aber die wurde einfach so besprochen und geklärt.

Klingt wie ein Traummann. Ja, das war er.

Und dann der Schock. Magendurchbruch. 3 Wochen lag er im künstlichen Koma. Ich war jeden Tag viele Stunden an seinem Bett. Ich habe viel gebetet und Gott um Hilfe angefleht. Am Ende jedes Gebetes habe ich gesagt: „Aber dein Wille geschehe!“ Ich habe nicht entferntesten daran gezweifelt, dass es nicht Gottes Wille sei, dass er es nicht schaffen würde. Gott hat das Rote Meer geteilt, da ist es doch Pippifax mit so einem Magendurchbruch fertig zu werden. Kein Zweifel.

Einen Tag vor seinem Tod wurde er aus dem Koma geholt, die Nieren fingen wieder an zu arbeiten, auch konnte er wieder allein atmen. Wir haben drei wunderbare Stunden zusammen verbracht, weil wir dachten, das Schlimmste ist nun vorüber. Wir waren sooo glücklich und haben uns liebevoll verabschiedet – für den nächsten Tag.

Am gleichen Abend gegen 22 Uhr kam dann der Anruf: „Frau … wir müssen Ihnen mitteilen, dass …“

Ich habe es nicht verstanden, ich habe es nicht begriffen. So ein lieber Mensch! Ich kenne wirklich keinen, der ihn nicht mochte. Und das sollte Gottes Wille sein? Das hatte ich doch immer gebetet, dass es so geschehen soll, wie Gott es will ….

Dann bin auf diesen Bibelvers gestoßen. Hennoch wurde einfach so hinweg genommen….

Ich fragte mich, kann es sein, dass Gott meinen Mann einfach hinweg genommen hatte? Hatte er gesehen, wie groß sein Arbeitsdruck geworden ist, wie schwer ihm so manches viel, weil er nicht allen helfen konnte, so wie er es wollte?  Hat er gesehen, wie er darunter gelitten hat und dann gesagt: Nee, so geht es nicht weiter?

Auch wenn andere Christen über diese Bibelstelle anders denken mögen, aber ich bin heute fast 8 Jahre später davon überzeugt, dass es so war. Dass er die ganzen Entwicklungen an seinem Arbeitsplatz in diesen Jahren nicht geschafft hätte. Gott hat es gesehen und ihn „hinweg“ genommen.

Das glaubte ich damals und es hat mich durch die schwere Zeit getragen. Und ich glaube es heute auch noch. Gott macht keine Fehler. Es kann nur so gewesen sein.

Und in meiner Erinnerung ist er der allerliebste Mensch geblieben, den ich je kannte. Ihn konnte Gott nicht durch andere zerstören lassen.

Dafür kann ich danken. Heute.

Smilie

Hebräer 10:8 und die Schlachtopfer

Von Wolfgang Sauber – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19833244

Heute gibt’s nur einen kurzen Post.

Weil ich wieder so eine Bibelstelle habe, bei der ich keine Ahnung habe, wie ich das verstehen soll. Nicht mal einen klitzekleinen Gedanken  smilie_girl_167.gif

„Christus sagte: »Du wolltest keine Opfer und keine Gaben und keine Brandopfer und keine anderen Sündopfer, noch hattest du Freude daran«, obwohl sie nach dem Gesetz gefordert waren.“ Hebräer 10:8

Im 3. Buch Mose steht ganz genau und ganz ausführlich, wann welches Opfer für welche Sünde gefordert wird.

Brandopfer, Speiseopfer, Opfer von den erstem Gaben, Dankopfer, Opfer von Ziegen, Sündopfer, Opfer eines einfachen Mannes, Anlässe von Sündopfern, Schuldopfer, weitere Bestimmungen für Brand-, Speis- und Sündopfer … … …

Mir ist schon klar, dass all das ganze Opfer nicht im Geringsten dazu gereicht hat, gemachte Sünden zu tilgen. Geht nicht. Geht erst durch Christus.

Aber die Vorschriften für die Juden waren da. Und Mose hat sie sich auch nicht nur mal so ausgedacht, weil er gerade nix anderes zu tun hatte.

Und nun steht im Hebräerbrief 10:8, dass das Gott gar nicht gewollt hat. Wie denn das? Wenn er das nicht will, warum ordnet er es denn dann an. Er hätte sich doch etwas anderes ausdenken können. Oder?

Das 3. Buch Mose 1, beginnt so:

Der Herr rief Mose von dem Zelt Gottes aus zu sich und sprach zu ihm: »Gib den Israeliten folgende Anweisungen: `Will jemand von euch dem Herrn ein Opfer bringen, soll er dafür Tiere aus seiner Schaf- und Rinderherde auswählen. … … …
Das ist doch ’ne klare Ansage, oder?
Hm.
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Hebräer 9 … Leben und sterben

„Der wollte nicht leben, der wollte nicht sterben will. Denn das Leben ist uns mit der Bedingung des Todes geschenkt. Es ist der Weg zu diesem Ziel. Unsinnig ist es daher, den Tod zu fürchten: denn nur das Ungewisse fürchtet man, dem Gewissen sieht man entgegen.

Der Tod bedeute eine gerechte und unabwendbare Notwendigkeit. Wer sollte sich beklagen, in einer Lage zu sein, in der sich ausnahmslos alle Menschen sich befinden. Das vornehmste Gesetz der Gerechtigkeit ist die Gleichheit. Daher wäre es unangebracht, der Natur dies vorzuhalten, dass sei für uns kein anderes Gesetz gelten lassen wollte als für sich selbst.

Was sie vereinigte, trennt sie wieder, und was sie trennte, vereinigt sie wieder.“

(Seneca)

Oh, das klingt ja nüchtern. Aber es stimmt. Jeder, ausnahmslos jeder, wird einmal sterben.

Ich. Du. Alle.

Ich glaube, wovor wir uns dabei am meisten fürchten, ist wohl das WIE. Keiner will jahrelang in irgendeinem Pflegeheim vor sich dahin vegetieren. Am liebsten ist es wohl jeden, abends einzuschlafen und morgens nicht mehr aufzuwachen. Passiert aber meist so nicht.

Dies ist hier gar nicht das Thema. Wir werden sterben und dann geht es ab vor das Gericht.

Wie war mein Leben, wie war dein Leben? Dann ist Verantwortung angesagt. Wer kann von sich sagen, dass er in seinem Leben nie Mist gebaut hat, nie etwas falsches gesagt oder getan hat? KEINER. Nicht einer. Im Gegenteil.

Eine Schuld nach der anderen laden wir uns auf. Täglich, stündlich, minütlich.

Wie gern möchten wir dann, wenn wir am Ende der Tage vor Gott stehen, so vieles ungeschehen machen. Was haben wir nicht alles gesagt, getan oder aber auch nur gedacht? Wie viele Menschen haben wir dabei verletzt? Auch in Gedanken.

Überlegt einmal, was in den letzten 24 Stunden alles passiert ist. War alles bei dir okay? Bei mir nicht.

Und welch unsagbares Glück haben wir Christen, dass das alles nicht vor Gott zählt? Alles weg, nichts passiert. Unser großartiger Herr Jesus hat alles schon bezahlt. All das, was wir tagtäglich Gruseliges angestellt haben, es so sehr bereuen und Jesus vor die Füße geworfen haben.

Nein, es macht uns nicht frei davon, dass wir  all das, was wir anderen angetan haben, wo wir schuldig geworden sind, gut wie auch nur möglich, wieder in Ordnung zu bringen, sich zu demütigen und sich zu entschuldigen.

Aber vor Gott können wir dann gerade stehen, weil er weiß, sündlos zu leben … das können wir nicht, dass steckt in unseren Genen drin, wir können uns nur bemühen, täglich, stündlich, immer.

„So wie jeder Mensch nur einmal sterben muss, kommt er vor Gottes Gericht,…“ Hebräer 9:27

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