Die Sünde als Gruselkabinett

Vor langer Zeit hatte ich in einem Andachtsbuch  („Tägliche Stille“ von Ernst Modersohn) die Geschichte Josephs gelesen. Die Auslegung gefiel mir derart gut, dass die Joseph-Geschichte seitdem zu meiner Lieblingsgeschichte gehört.

Nun habe ich im gleichem Buch die Geschichte über Elisa und dem Feldhauptmann Naeman gefunden. In der Bibel steht die Geschichte im 2. Könige, Kapitel 5. Damit will ich mich in den nächsten Tagen beschäftigen.

Heute geht es los mit dem ersten Vers:

„Naaman, der oberste Heerführer von Syrien, war ein ausgezeichneter Soldat und Stratege. Er genoss hohes Ansehen, und der König schätzte ihn sehr, hatte doch der Herr durch Naaman den Syrern zum Sieg über die Feinde verholfen. Doch Naaman war aussätzig!“ 2. Könige 5:1

Ernst Modersohn (er lebte 1870-1948 – was man auch an seinem Ausdruck merkt) schreibt dazu:

In der nächsten Zeit wollen wir noch eine Geschichte aus dem Leben des Propheten Elisa betrachten, und zwar die wunderbare Naemansgeschichte. Sie wird uns viel zu sagen haben.

Wer in dem Hause des Feldhauptmanns Naeman vorbeiging, mochte wohl denken: Was für ein glücklicher Mann er doch ist! Der König hielt große Stücke auf ihn, das Heer hing mit Begeisterung an seinem Führer, er hatte eine liebe Frau, gewiss auch prächtige Kinder – kurz ein glücklicher Mann, der Marschall Naeman! Ja, wenn nur das eine Wörtlein  nicht da stände: „Aussätzig“.

Damit war das Todesurteil über ihn und sein Glück gesprochen. Wer aussätzig war, der musste bei lebendigen Leibe verfaulen. Der war ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft. Nie wieder durfte er seine Frau herzen und seine Kinder an sich drücken, denn von Aussätzigen ging Tod und Verderben aus. Die Krankheit war nicht nur  unheilbar und tödlich, sondern auch überaus ansteckend. Einsam musste der Aussätzige seine Tage zubringen, einsam musste er sterben. Niemand von seinen Lieben durfte ihn durfte ihm im Sterben den letzten Schweiß von der Stirn wischen. Was für ein trostloses Geschick! – Jeder Mann  in Naemans Heer ist besser dran als der gefeierte, siegreiche Heerführer! Der arme, arme Mann!

Und nun sage ich, und zwar im vollem Bewusstsein, dass dieser aussätzige Naeman ein Bild von uns ist. Der Aussatz ist ein zutreffendes Bild von unserer Sünde. Der Apostel Paulus hat recht, wenn er sagt: „Es ist hier kein Unterschied, sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten.“ Und wiederum: „Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer.“

Wir sind von Natur allzumal krank an dm Aussatz der Sünde, denn die Sünde ist „zu allem durchgedrungen.“ Wohl äußert sich dieser ‚Aussatz‘ nicht bei allen gleich. Bei manchen tritt er äußerlich in erschütternder Weise in Erscheinung, etwa bei einem Trunksüchtigen oder einem Wollüstigen. Bei anderem äußert sich der Sündenaussatz nicht so. Dem Hochmütigen und em Heftigen und dem Ehrgeizigen  merkt man es nicht so an, dass er aussätzig ist. Aber Aussatz ist Aussatz. Denke mal an die Fülle deiner Gedankenwelt! Wie viele Gedanken sind vor Gott Sünde! Oder denke an deine Worte! Wie viele Worte sprichst du, die als Sünde  dein Leben belasten.

Wie ist das gekommen? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Und denk an deine Taten! Wer Licht über sich selber bekommt, der erschrickt, wenn er erkennt, dass der „aussätzig“ ist, verloren durch die Sünde.

Hast du dich schon  als „aussätzig“ erkannt? Bist du schon von deinem „Aussatz“ geheilt?


Ich mag ja gern bei meinem Beiträgen ein Bild einfügen, aber Bilder von Aussätzigen (oder Lepra) sind ja derart gruselig, dass ich es einfach nicht fertig gebracht habe, ein Bild zu posten.

Sicher kennt jeder ein solches Bild. Und wenn in dem Kommentar zu dem ersten Bibelvers der Aussatz mit Sünde verglichen wird, heißt das ja, dass wir alle genauso herumlaufen. Und nun überlege ich mir, wenn auf der Straße nur noch Menschen zu sehen sind, deren Sünden so sichtbar sind.

Das ist das reinste Gruselkabinett! Das will keiner sehen. Aber manchmal braucht man solche Bilder um Sachen sichtbar zu machen. WIE würde ICH wohl aussehen?

In den nächsten Tagen werde ich sehen, wie die Geschichte weiter kommentiert wird.

(Ich hoffe, ich träume die Nacht nicht davon, wie unsere Städte aussehen würden, wenn die Sünde für jeden sichtbar wäre)

smilie_girl_166.gif                 smilie_girl_166.gif                  smilie_girl_166.gif




%d Bloggern gefällt das: